Touristische Entwicklung

Wohl die älteste Attraktion, derentwegen Leute nach Bad Zell kommen, ist das Hedwigsbründl. Schon aus einem Brief des Freiherrn Georg Sigismund von Salburg an den Archidiakon von Passau Dr. Locatelli geht hervor, dass im Dekanate Freistadt, und zwar in der Pfarre Zell schon seit mehr als hundert Jahren sich ein freifließender und jedermann zugänglicher Quell findet, der seit undenklichen Zeiten den Namen der heiligen Hedwig trägt und, wie einige alte Leute erzählen, in alter Zeit von weit her besucht wurde und viele Leute von Gebrechen und Krankheiten heilte.
Danach wäre also das Hedwigsbründl schon mehr als hundert Jahre vor Abfassung dieses Briefes (1643), das ist bis gegen 1500 zurück, weit bekannt und viel besucht gewesen.

Diese erste Periode, in der das Hedwigsbründl gerne besucht wurde, fand durch das Eindringen des Lutherismus ein Ende. Die lutherische Lehre fand ja schon frühzeitig in der hiesigen Gegend Eingang und von ungefähr 1580 an finden wir eine ununterbrochene Reihe lutherischer Pfarrer in Zell bis 1624. In seiner Reaktion auf das früher geübte Übermaß an Wallfahrten und Wunderglauben räumte nun das Luthertum gründlich mit diesen Dingen auf und da war es ganz natürlich, dass auch der Besuch des Hedwigsbründels mehr und mehr aufhörte. Im Jahre 1641 erstand der Ruf des Hedwigsbründels ganz plötzlich und unerwartet zu neuem Leben. In diesem Jahre kam nämlich ein Soldat, der im Kriege (Dreißigjähriger Krieg) am Fuße eine Wunde erhalten hatte, zum Hedwigsbründl und fand durch dessen Wasser, Heilung.

Um 1740 entstand in der Pfarrkirche eine neue rasch aufblühende Marienwallfahrt, sodass hierfür hie und da der Name "Klein Mariazell" auftauchte. Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich der Fremdenverkehr nur zögernd unter dem Slogan Sommerfrische. Vöest-Turnusse im Gasthaus Fröhlich und Kindererholungswochen in diversen Unterbringungen verbesserten die Fremdenverkehrsbilanz in den 60er Jahren schon sehr bedeutend.

Die Entstehung des Kurhauses hat einen langen Weg hinter sich. Es dauerte beinahe 20 Jahre bis es zur Heilquellen-Erklärung kam. Das 1953 begonnene Heilquellen-Begutachtungsverfahren über die Heilwirkung des Hedwigsbründels wurde bald fallengelassen, da eine zu geringe Schüttung festgestellt wurde. Doch wurde dabei eine zweite Quelle entdeckt, die, wie man durch Verzögerungen erst 10 Jahre später feststellte, einen für eine Heilquelle ausreichenden Radongehalt aufwies. Diese Quelle, die den Namen Höllgrafenquelle erhalten hatte, und eine weitere Quelle, die sogenannte Krinnerquelle, wurden schließlich 1971 zu Heilquellen erklärt. Am 11. Juli 1974 erfolgte der Spatenstich zur Errichtung eines Kurmittelhauses durch Herrn Karl Gusenbauer. Die feierliche Eröffnung des Kurhauses fand am 12. Juni 1976 statt.
In den Jahren danach erfolgte der Bau der Kurpensionen Fröhlich und Annahof. Bedingt durch die Erklärung zum Kurort trat Bad Zell auf eigenen Wunsch aus dem Fremdenverkehrsverband Pregarten und Umgebung aus und gründete einen eigenen Kurverband. Anfangs entwickelte sich der Kurbetrieb trotz umfangreicher Werbemaßnahmen nur schleppend. Doch konnte durch die Übernahme des Kurhauses St. Hedwig in den Besitz des Landes (Landeskuranstalt) eine Verbesserung des Kurbetriebes erzielt werden. Durch die Zuweisung einiger Probeturnusse im Jahre 1978 konnte man die Chefärzte der Sozialversicherung überzeugen, dass Bad Zell im Stande war, den Kurgästen einen angenehmen und erfolgreichen Aufenthalt zu bieten. Im Oktober1978 kam es zu einem Vertragsabschluss zwischen dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger und der Kurverwaltung Bad Zell, wonach ab Jänner 1979 pro Turnus 100 Gäste eingewiesen werden konnten. Von nun an nahm der Kurbetrieb einen raschen Aufschwung, sowohl was die Nächtigungen als auch die Kurbehandlungen betrifft. Ein weiterer Anstieg der Nächtigungsbilanz ist sicherlich nicht zuletzt auch der Zahl der privaten Gäste in den Sommermonaten zu verdanken. 1995 konnte Bad Zell mit 72.934 Übernachtungen die bisher beste Bettenauslastung erzielen.

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